March 2007

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Manchmal kommt ein Thema in die schwedischen Medien, das ich eigentlich interessant finde und über das ich auf Fiket.de schreiben möchte. Dann merke ich mir einen oder zwei Links dazu vor, schreibe aber oft aus Zeitmangel nicht gleich den Text. Ab und zu kommt mir sogar ein bestimmter anderer Blog in den Sinn, der darüber sicher auch schreiben wird.

Konkurrenzdenken liegt mir ferner als Zusammenarbeit und ich muss nicht schneller als andere Blogger sein. Deshalb dachte ich mir gestern konkret: Ich schreibe das jetzt nicht, sondern verlinke dann mit ein paar Worten den Text von Rainer. Und ich wurde nicht enntäuscht.

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Diese Entscheidung ist zugunsten des Schwedischen gefallen und ich habe auch schon einiges von meiner Beobachtungsrunde mit dem Teleskop geschrieben. Das heißt für mich auch, seit längerem einmal wieder Drupal anstatt WordPress zu benutzen.

Drupal ist um einiges mächtiger und flexibler als WordPress, es ist ja auch mehr als CMS als als reine Blogsoftware ausgelegt. Ich mag Drupal, aber eins vermisse ich ungemein von WordPress. Die Möglichkeit, Texte einfach zwischenzuspeichern und sie später weiterzuschreiben oder erst dann zu veröffentlichen. Weil ich gestern Nacht vergessen hatte, nach dem letzten “preview” auf “publish” zu drücken und den Rechner später ausschaltete, ist mir ein längerer Text flöten gegangen. Mit WordPress wäre das nicht passiert. Ich werde wohl von jetzt an lokal in eine Textdatei schreiben und erst am Schluss hochladen.

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Auf Fiket hatte ich bis eben das Sideblog-Plugin laufen, um Kurznachrichten (also alle Einträge in einer bestimmten Kategegorie) in der Seitenleiste anstatt in der Hauptspalte darzustellen. Das funktionierte im Prinzip, aber die Artikel dort waren weder über die Suche noch über die Schlagworte auffindbar. Nicht gut. Das hieß auch, dass das eigene Tag für die Kurzmeldungen unnütz war. Der UltimateTagWarrior und Sideblog mochten sich also nicht und Sideblog ist viel einfacher verschmerzbar.

Das Tarski-Theme kann auch selbst einen Mechanismus für Asides, der jetzt erst einmal als Ersatz dafür herhalten muss. So erscheinen die Kurznachrichten zwar doch in der Hauptspalte, aber sind anders formatiert. Das lässt sich sicher prima zurechthacken, wenn mal ich die Zeit finde.

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:-)

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Jeder Blogschreiber, der es schafft, einen gewissen Leserkreis aufzubauen, bekommt früher oder später ein Blogger-Stöckchen zugeworfen. Dabei handelt es sich um eine Reihe von Fragen, die sich ein Blogger ausgedacht hat und an einige der ihm bekannten Blogs stellt, die diese wiederum beantworten und weiterreichen. Trotz des eigentlich abzulehnenden Kettenbriefcharakters, gehört es zum guten Ton in der Blogosphäre, auf Stöckchen zu antworten. Oft sind die Stöckchen eine gute Gelegenheit für die Leser eines Blogs, etwas mehr über die Person hinter den Texten zu erfahren.

Außerdem bloggen Blogger gern übers Bloggen und die Bloggosphäre. Solche “Meta-Inhalte” findet man in vielen Blogs und sie tragen sicherlich zum Gemeinschaftsgefühl und zur Vernetzung unter Bloggern bei. Wenn man jedoch ein Blog führt, das sich ausschließlich einem bestimmten Thema widmet, ist es meiner Meinung nach keine dumme Idee, selbstreferenzielle Texte zu vermeiden. Bestes Beispiel für mich ist mein Schwedenblog, aber auch mein in letzter Zeit etwas vernachlässigtes Atheistenblog, auf denen ich bewusst versuche, mich allein dem jeweiligen Thema zu widmen.

Ausnahmen waren unter anderem die Stöckchen, die dorthin angeflogen kamen:

  • Das Tischstöckchen

    Weil Meta-Inhalte übers Bloggen an sich eben doch interessant sind, habe ich schließlich das BlogBlog hier aufgemacht und hatte dabei sogar den Hintergedanken, eventuelle zukünfige Stöckchen an die anderen Blogs stattdessen an dieser Stelle zu beantworten. Der Oliver vom Schorleblog hat jetzt sogar gleich an die richtige Stelle geworfen. Umso besser.

    Die einzige “Frage” des Stöckchens lautet:

    Erklär mal, wie und mit welchen Mitteln bei Dir ein neuer Blogbeitrag entsteht.

    Das Technische vorab: Über den Server, auf dem meine Blogs laufen, habe ich schon einmal geschrieben und dass meist WordPress als CMS dahinter steht ist auch kein Geheimnis. Weil ich keinen Blog-Client kenne, der flexibel genug ist, schreibe ich direkt in WordPress und mache ausgiebig von der Möglichkeit Gebrauch, angefangene Artikel zu speichern und später weiterzuschreiben. Obwohl ich zum restlichen Surfen immer noch Galeon benutze, nehme ich zum Bloggen den Firefox, weil der mittlerweile Rechtschreibprüfung in Texteingabefeldern kann und so einige Flüchtigkeitsfehler vermeiden hilft.

    HTML-Tags von Hand einzugeben ist suboptimal, aber “grafische” Editoren, bei denen man sich seine Links und sonstiges zusammenklicken kann, sind noch schlimmer. Um beim Schreiben nicht von der Tastatur auf die Maus wechseln zu müssen, benutze ich ein Plugin für Textile, das eine Kurznotation für die gängigsten HTML-Geschichten anbietet. Ein Link geht zum Beispiel so: "Linktext":http://url.com/bla. Das ist intuitiv und tippt sich schnell.

    Jetzt endlich zu dem, was ein Blog ausmacht: die Inhalte. Ich mache es mir etwas einfacher und beschränkte mich auf mein Schwedenblog Fiket, schließlich schreibe ich dort mit etwa drei Beiträgen pro Tag am meisten. Die Texte lassen sich folgendermaßen einteilen:

    1. Neuigkeiten aus Schweden.
    2. Nicht tagesaktuelle Themen zu schwedischer Kultur: Essen, Festtage, Musik etc.
    3. Vergleich Deutschland – Schweden.
    4. Fotos.
  1. Die Rubrik “Wort der Woche”.

    Zu 1. Bis auf wirklich große Ereignisse wie den Reaktorunfall im letzten Jahr, bekommt man aus den deutschen Medien kaum mit, was in Schweden so die Zeitungen füllt. Nachrichten aus Schweden nehmen also einen beträchtlichen Teil des Blogs in Anspruch. In gewisser Weise ist das ja auch einfach – die Themen wurden schon von von den klassischen Medien vorgekaut und man muss sie nur auf die Hauptaussage zusammenfassen und kann dann seinen Senf dazu abgeben. Quellen werden natürlich nach bestem Wissen korrekt zitiert und verlinkt. Ab und zu übersetze ich auch eine Passage, anstatt sie inhaltlich wiederzugeben.

    Um über Nachrichten schreiben zu können, muss man natürlich selbst auf dem Laufenden sein. Ich beschränke mich dabei auf Online-Medien, denn ich will ja darauf verlinken. Mein entsprechender Medienkonsum läuft ausschließlich über RSS-Feeds. Ich habe das schwedische Pendant zu tagesschau.de abonniert und auch deren deusche Kurzmeldungen, aus denen es sich natürlich gut zitieren lässt, wenn -ich mal zu faul bin- es unnötig ist, selbst zu formulieren. Ich lese auch einige schwedische Blogs. Außerdem versuche ich, alles, was auf Deutsch über Schweden im Netz geschrieben wird, im Auge zu behalten. Zu diesem Zweck habe ich eigene Suchanfragen bei Google-News und Technorati erstellt und diese abonniert, auch mit Hilfe von Yahoo Pipes.

    Auf diese Weise hat Fiket im letzten Jahr mehr dazu beigetragen, dass ich in Schweden “mitreden kann”, als die Jahre davor, die ich hier gelebt habe. Das ist nur ein Beispiel, wie Bloggen einem selbst nützt. Dass das Blog auf diese Weise auch ein Linkarchiv für mich selbst wird, in dem ich interessante Meldungen einfach wiederfinde, ist ein weiterer Vorteil. Ich schreibe aber nicht über alles, was in Schweden “big news” ist. Wenn mich etwas nicht interessiert oder ich es für unwichtig halte, wird es ignoriert.

    Zu 2. Über schwedische Kultur und Eigenheiten möchte ich eigentlich mehr schreiben, aber drei Gründe sind dabei etwas hinderlich: Erstens besteht kein konkreter Anlass, etwas gerade jetzt zu schreiben. Neuigkeiten veralten und müssen entweder gleich, oder gar nicht raus. Die anderen Themen werden also immer wieder verschoben, auch wenn ich eine ganze Liste mit Dingen habe, die nur darauf warten, irgendwann einmal geschrieben zu werden. Man kann das auch positiv sehen, dass mir so schnell nicht der Stoff ausgehen wird.

    Zweitens ist es viel aufwendiger, solche Texte zu schreiben, als schnell eine Nachricht zu kommentieren. Man muss mehr recherchieren, damit man keinen Unsinn schreibt und weil es kein aktuelles Thema ist, gibt es weniger Texte, an denen man sich messen und orientieren kann. Es braucht also schon eine ruhige Stunde, um so etwas anzugehen.

    Das dritte Hindernis betrifft nur die kleinen Dinge des Alltags, die zwar eigentlich erwähnenswert wären, aber einem selbst nicht mehr auffallen, weil sie so selbstverständlich geworden sind. Vielleicht ist es ja ein unlösbares Dilemma, dass man, sobald man Schweden genug kennt, um darüber schreiben zu können, den Blick für die Details verliert.

    Zu 3. Letzteres gilt teilweise auch für den Vergleich zwischen Deutschland und Schweden. Obwohl die Gemeinsamkeiten die Unterscheide bei weitem überwiegen, ist die Frage “Was ist anders in Schweden?” keine uninteressante. Die Perspektive ist dabei eben die deutsche und das Ziel ist es, dem deutschen Leser einen kleinen Teil Schwedens näher zu bringen. Eine klare Trennung zu den Punkten 1. und 2. gibt es wohl nicht und ein gutes Beispiel dafür ist die Veröffentlichung einer internationalen Statistik, bei der ich dann die Zahlen für Deutschland und Schweden herauspicke.

    Unter diese Rubrik fällt aber auch die Berichterstattung über Deutschland in schwedischen Medien, also die umgekehrte Perspektive, die für Deutsche ja auch sehr erhellend ist. Zumindest ist sie das für mich und mein Bild von Deutschland ist heute ein anderes als vor vier Jahren. Leider ist dieses Thema schwer zu greifen und nimmt nicht den Stellenwert bei Fiket ein, den ich mir ursprünglich vorgenommen hatte.

    Um den Blick für die alltäglichen und praktischen Unterschiede zwischen Deutschland und Schweden zu schärfen und den schnellen Abgleich wiederherzustellen, ist mein etwa jährlicher “Heimaturlaub” übrigens sehr hilfreich.

    Zu 4. Hier habe ich einen festen Rhythmus: Jeder fünfte Beitrag zeigt ein Bild, das die ganze Breite des Blogs füllt und auf Klick noch vergrößert wird. Manchmal schreibe ich einen Satz dazu. Es sind ausschließlich eigene Bilder – alles andere wäre erstens Selbstmord angesichts der Abmahnwelle und zweitens auch ziemlich sinnlos in meinem eigenen Blog. Über das Schlagwort Foto wird aus Fiket ein Fotoblog.

    Ich bin Hobbyfotograf seit gut zwei Jahren und entdecke immer wieder vergessene Perlen in meinem Archiv, die ich dann vielleicht noch kurz bearbeite (Ausschnitt oder Kontrast anpassen) und in die Versionen mit 500 und 900 Pixeln Breite verkleinere und nachschärfe (Verkleinern macht ein Bild “soft”). Den Mechanismus von WordPress zum Bilderhochladen benutze ich nicht, sondern lade die Dateien direkt auf den Server. Dann bleibt nur noch, per Copy/Paste den Blogeintrag anzulegen, der das kleinere Bild einbindet und auf das größere verlinkt. Meist bereite ich mehrere solcher Bildbeiträge in einem Rutsch vor und streue sie beizeiten ein. Wenn ich es einmal vergesse, wird auch mal ein Bild rückdatiert, damit der Rhythmus stimmt.

    Zu 5. Jeden Sonntag schreibe ich einen Beitrag mit dem Wort der Woche. Hauptkriterium für das Wort ist, dass es mehr darüber zu schreiben gibt, als die bloße Übersetzung. Am besten ist es, wenn es gleichzeitig noch einen bestimmten Aspekt beleuchtet, der zwar kein Klischee bedient, aber doch “typisch schwedisch” ist. Deshalb gibt es hier auch eine starke Überschneidung mit Punkt 2. Meine eigene Einstellung zum Wort der Woche ist etwas zwiespältig. Einerseits glaube ich, dass einige der besten Texte auf diese Weise entstanden sind, andererseits brauchen sie manchmal etwas mehr Arbeit und ich muss mich dann dazu aufraffen, den festen Termin einzuhalten. Ich glaube aber, dass das Wort der Woche bisher nicht mehr als zwei Mal ausgefallen ist. Ich habe eine Warteliste mit etwa zehn Worten in Reserve.

    Wenn der Text, egal welcher Art, dann fertig geschrieben ist, wird er auf Tippfehler und Lesbarkeit geprüft, indem ich ihn in Gedanken “laut” für mich lese. Dabei kommt es zu allerlei Umformulierungen, Änderungen im Satzbau und Wortaustausch, zum Beispiel um den Lesefluss zu erhöhen oder Wiederholungen zu vermeiden. Bevor ich auf “Publish” drücke, fehlen dann nur noch die Schlagworte, die jeder Artikel angehängt bekommt, um ihn einzuordnen und leichter auffindbar zu machen. Fertige Artikel lasse ich in der Regel nicht liegen, sondern fast alles, was online geht, wurde gerade zu Ende geschrieben.

    Nachtrag: Ich hab’ doch glatt vergessen, das Stöckchen weiterzuwerfen. Von Lilli, Alessandro und Stefan von den Schachblättern würde ich dann gerne wissen, wie sie bloggen. Wenn sie es denn niederschreiben wollen.

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Ich glaube es ist nicht übertrieben zu sagen, dass ich eher selten “emotional” blogge, vor allem auf meinem Schwedenblog, auf dem ich am meisten schreibe. Ein nüchterner Ton liegt mir einfach mehr. Selbst wenn ich etwas für völlig falsch halte, bemühe ich mich oft, die Sache zuerst neutral darzustellen und dann meine hoffentlich gut begründete Meinung dazu abzugeben. Das gelingt natürlich nicht immer so, aber von Emotionsausbrüchen oder Gefühlsduselei wähne ich mich in der Regel weit entfernt.

Ausnahmen gibt es aber.

(Ich hätte eben fast “Ausnahmen bestätigen die Regel” geschrieben – der Spruch ist aber einfach falsch. Jede Ausnahme schwächt die Regel ab.)

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Ich habe inzwischen ein wenig mit den Yahoo Pipes herumgespielt und mir einige recht praktische zusammengebaut. Zum Beispiel Suchen bei Google News, die ich dann nach bestimmten Kriterien filtere. Das System hat einige seltsame Eigenheiten, finde ich, aber es funktioniert im Prinzip.

Ich habe auch endlich einen Feed angelegt, der alles zusammenfügt, was ich auf diversen Blogs so von mir gebe. Dazu war mehr Rumprobieren nötig als ich dachte. Zuerst hatte ich alle Feed-URLs in einem einzigen Fetch-Modul und wollte dessen Output nach Datum sortieren, so dass die neuesten wieder oben stehen. Das ging nicht so gut, deshalb hole ich jetzt jeden Feed einzeln und schneide ihn erst einmal mit dem Truncate-Modul nach wenigen Einträgen ab (je nach dem, wie oft ich jeweils schreibe) und nutze dann zwei Union-Module, um das alles zu vereinen.

So ensteht ein Feed mit unter 20 Einträgen, der aus den jeweils neuesten Einträge aus meinen Blogs besteht. Man findet ihn hier (rss).

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Üble Geschichte bei WordPress: Ein Bösewicht hatte die Download-Datei des bis gestern aktuellen WordPress 2.1.1 manipuliert und eine Lücke eingeschleust. Auch wenn man wohl nicht betroffen war, wenn man 2.1.1 kurz nach dem Release heruntergeladen hatte, wurde 2.1.1 generell für gefährlich erklärt und Version 2.1.2 freigegeben. Mehr dazu.

Das Upgrade meiner Blogs ging in zwei Minuten durch einfaches auspacken des Archivs und es scheint dabei auch nichts kaputt gegangen zu sein.

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Das Verhältnis zwischen Blogs und klassischen Medien ist ja eines der Lieblingsthemen der Blogosphäre. Es ist ja auch interessant, schließlich reicht die Spanne bei Blogs von Tagebuchschreibern bis zu denen, die sich ernsthaft am “Bürgerjournalismus” versuchen.

Ein Lehrstück, wie ein Blog in das Metier der Zeitungen eindringt, spielt sich gerade hier in Schweden ab. Der Außenminister bloggt nämlich und erregt damit viel aufsehen. Drüben in meinem Schwedenblog, versuche ich, die Highlights davon wiederzugeben, an dieser Stelle soll aber die Situation fiktiv auf Deutschland übertragen werden.

Nehmen wir also an Frank-Walter Steinmeier hätte vor vier Wochen ein Blog aufgemacht, ganz informell bei WordPress.com gehostet. Es ist auch kein Blog mit völlig durchdachten Politikeraussagen, sondern eins, in dem der Minister im Schnitt drei Mal am Tag (!) in nicht kurzen Beiträgen und in lockerem Ton schreibt, was er gerade so tut, wo er gerade ist, mit wem er gerade gesprochen hat, was er für die richtige Vorgehensweise in einer Sache hält, wie seine kommende Woche aussehen wird oder welches Buch er zur Zeit liest.

Nehmen wir weiter an, dass das Blog sehr schnell an Popularität gewinnt, in den vier Wochen seit Beginn 2,4 Millionen Besucher hatte und dass jeder Beitrag mittlerweile zwischen 150 und 2000 Kommentaren bekommt, alles von “Hallo Frank-Walter, ich finde dein Blog toll!” bis zu Rücktrittsforderungen. Steinmeier antwortet sporadisch auf einzelne Kommentare.

Die Rücktrittsforderungen kommen vor allem wegen der Affäre um Kurnaz, beziehen sich also auf Dinge aus der Zeit, bevor Steinmeier Außenminister wurde. Die größte Boulevardzeitung des Landes gräbt dazu Geschichten von damals aus und stellt sie als Skandal dar. Was macht der Minister? Er kommentiert die Medienaussagen in seinem Blog und nimmt dazu Stellung. Und zwar bevor er dies in den Medien tut. Diese müssen sich auf sein Blog berufen. Er stellt seine damalige und heutige Sicht der Dinge dar, liefert Links zu alten Artikeln, die genau das beinhalten, was jetzt als Neuigkeit verkauft wird. Er spricht direkt zu seinen Lesern und sagt ihnen, warum es Unsinn ist, was die Zeitung schreibt.

Das kommt an, wird gelesen und man meint, aufrichtige Offenheit zu erkennen – ein Gut, das Politikverdrossene auch in Schweden zu schätzen wissen.

Wenig überraschend, gefällt das der Boulevardpresse überhaupt nicht. Sie geht zum Angriff über, natürlich mit dem Argument, dass Herr Steinmeier die vierte Macht im Staat unterwandere, die unabhängigen und kritischen Medien. Im Blog habe er schließlich die Macht, Fragen auszulassen und den Sachverhalt so darzustellen, dass er mit weißer Weste dasteht. Macht ist natürlich der Knackpunk: Das Machtmonopol der Medien, als Mittler und Filter zwischen der Politik und der Bevölkerung zu agieren, ist durch das Blog des Ministers in Gefahr.

Die Diskussion schwappt schnell von der BILD- auf seriöse Zeitungen über. Die FAZ kritisiert das Blog ebenfalls hart in einem Leitartikel und fügt hinzu, dass Steinmeier in seinem Blog zu viel plappert und privaten Ansichten mit denen der Regierung vermischt. Es fällt der Vergleich mit populistischen Staatsführern wie Hugo Chavez. Steinmeier kommentiert die Diskussion wieder in seinem Blog und merkt an, dass dieses es anderen doch sogar erleichtert, ihn festzunageln. Er nennt es schlicht “Offenheit 2.0”. Die Süddeutsche stimmt in die Kritik ein, erinnert in einem Kommentar jedoch auch daran, dass es trotz allem nur ein Blog ist und dass es im Gegenzug Politiker, die heute viel stärker durch Pressesprecher abgeschirmt sind als noch vor zehn Jahren, endlich wieder zugänglich macht.

Das starke Medienecho sogt derweil dafür, dass das Blog noch bekannter wird und dass jetzt wirklich jeder im Land weiß, was ein Blog ist. Steinmeier ist entschlossen, es fortzuführen. Fortsetzung folgt…

In dieser Geschichte sind lediglich das Land, die Namen und das Thema des Skandals ausgetauscht und die Zahlen mit 9 multipliziert, dem Faktor wie viel mehr Menschen es in Deutschland gibt. Ansonsten spielt es sich genau so gerade in Schweden ab. Wann kommt so etwas in Deutschland?

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Andreas und René denken darüber nach, wie sich die Bloggosphäre verändert hat, härter geworden ist.

Das beurteilen zu können, kenne ich zu wenige Blogger persönlich, aber ich finde man kann es mit seiner Netzkommunikation genau wie im “richtigen” Leben halten: Man sucht sich die Leute am Ende selbst aus, mit denen man zu tun haben will.

Völlig ohne Bezug: Mir fällt gerade auf, dass ich als einziger “Bloggosphäre” mit Doppel-g zu schreiben scheine. Entweder ist das wieder der schwedische Einfluss (hier heißt es “blogg” und “bloggosfären”) oder einfach die konsequentere deutsche Schreibweise, mit der Konsonantenverdoppelung nach kurzem Vokal.

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